Zurück in Yangshuo

Lange haben wir uns auf diesen Moment gefreut: Wieder in Yangshuo zu sein, mit dem Fahrrad durch die Karst-Landschaft zu cruisen und vielleicht ja sogar ein paar von den Menschen wieder zu treffen, die wir bei unserem letzten Aufenthalt kennengelernt haben. Gewürzt wurden unsere Erwartungen an Yangshuo natürlich von den emotionalen Erinnerungen an das von uns Erlebte und wir waren gespannt, wieviel wir von all dem tatsächlich wieder so empfinden werden, wie wir es in Erinnerungen hatten …

ys

chilli

P.S: Für alle die ihre Erinnerungen an unsere Erinnerungen auffrischen möchten – siehe: hier, hier und hier!

Und tatsächlich war es etwas ganz besonderes an einen so entfernten, zu der uns bekannten Kultur so extrem verschiedenen – und für uns gleichzeitig doch so vertrauten Ort zurück zu kehren. Für unseren diesmaligen Aufenthalt haben wir uns bei der Inhaberin der „Kletterer-Kult-Bar“ Rusty Bolt ein Appartement-Zimmer gemietet und waren wirklich überrascht wie groß unsere Unterkunft ist und wie komfortabel (WiFi, Küche, Waschmaschine, etc.) wir in den nächsten Wochen wohnen werden.

Es war kaum zu glauben, wieviele „alte Bekannte“ wir in den ersten zwei Tagen wieder getroffen haben! Die Betreiber eines kleinen Burrito-Standes, bei der wir letztes Jahr fast täglich unseren Kletter-Proviant gekauft haben, haben uns tatsächlich direkt wieder erkannt und freundlich begrüßt. So richtig beeindruckt waren wir aber hiervon: Normalerweise kommt in den Burrito immer (natürlich! – wir ja sind in China ;-) … ) Fleisch, doch wir orderten diesen letztes Jahr immer ohne. Am Tag unserer jetzigen Ankunft (wir mussten ja erstmal austesten ob alles noch so gut wie letztes Jahr ist) bestellten wir direkt mal einen frischen Burrito zum Frühstück und beim Zubereiten griff er zwar nach der Wurst, stockte aber kurz und packte uns dann anstatt dessen eine extra große Portion Salat in unseren Burrito!

An unserem ersten Abend im Rusty Bolt saßen wir plötzlich neben einem Engländer, den wir hier letztes Jahr beim Klettern kennengelernt haben und als wir an unserem ersten Klettertag mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Felsen waren, hielt auf einmal Davi mit seinem Roller neben uns – Davi ist ein mega starker chinesischer Kletterer, mit dem wir letztes Jahr zusammen 3 Tage für eine Outdoor-Company gearbeitet haben und ab und an zusammen klettern waren. Die Freude war in allen Fällen groß und spätestens nachdem wir sichergestellt hatten, dass auch unsere drei Stamm-„Restaurants“ noch existieren fühlte es sich an, als wären wir nie weggewesen und der erwarteten Flitterwochen-Entspannung stand nichts mehr im Wege.

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Seit heute sind wir sogar stolze Besitzer von zwei eigenen Fahrrädern! Gekauft haben wir unsere beiden hübschen pinken Rennmaschinen bei einem der zahlreichen Fahrradverleihständen und mal schauen … vielleicht finden wir ja Ende November ebenfalls wieder einen Käufer. Entsprechend dem chinesischen Standard für zweirädrige Fortbewegungsmittel klappert natürlich das ein oder andere Teil und Vorder – und Rücklichter sind konsequenter Weise erst gar nicht vorhanden. ;-)

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Aber da Reisen ja bekanntlich nicht nur bildet, sondern auch die Kreativität fördert, haben wir auf der nicht beleuchteten „Schnellstraße“ (für deutsche Verhältnisse fährt hier niemand schnell!) einfach unsere Stirnlampen als Fahrradlicht benutzt – Saskia fuhr vorne und strahlte mit dem weißen Licht in Fahrtrichtung und Ansgar hat seine Stirnlampe auf rotes Licht gestellt, die Lampe auf den Hinterkopf geschoben und ist brav hinter Saskia hergefahren, so daß wir als gut beleuchtetes Tandem entspannt nach Hause pedalieren konnten. Denn hier fährt zwar – wie ja erwähnt – niemand sehr schnell, aber dafür guckt sich hier auch niemand um, ob der Weg wo er (oder sie) hinfahren möchte eigentlich frei ist und auch die Sache mit der Fahrtrichtung wird nicht immer ganz so eng gesehen.

Yangshuo ist wahrscheinlich einer der schönsten Orte der Welt (zumindest für uns) – und nach unserer Abreise letztes Jahr war uns klar: Wir müssen hier hin zurück … !!! Unsere Hauptmotivation war neben dem tollen Essen, den freundlichen Menschen, der absolut überwältigen Landschaft, den unzählbaren Karsthügeln, natürlich die Tatsache, dass wir uns hier im absoluten Kletterparadies befinden!!

Und das Beste ist, diesmal haben wir uns die richtige Jahreszeit ausgesucht. ;-) (Soll heißen: es ist nicht Regenzeit!)

Hier hat sich seit dem letzten Jahr einiges getan, es werden fleissig neue Gebiete erschlossen und viele neue Routen gebohrt. Yangshuo‘s Potential ist aber bei weitem nicht aufgebraucht, jedes Jahr erscheint ein neues Guidebook – und das ist fast schon wieder veraltet, wenn es der Käufer in den Händen hält ;-)

Für uns heisst es jetzt auf jeden Fall erst einmal: „keep on climbing“ …

spidy

Eine Stadt – zwei Gesichter…

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Groß – größer – HONG KONG … bei dem Anblick der nicht enden wollenden Wolkenkratzern und einer Skyline, die einem Schlicht den Atem raubt, würde Lady Liberty vor Neid ganz schön große Augen machen. HK (oder wie es ganz korrekt heißt: Die Sonderverwaltungszone Hongkong der Volksrepublik China) ist eine Mega-City, verteilt auf mehrere Gebiete und Inseln. Die wichtigsten bzw. bekanntesten sind HK-Central – „DAS“ Business und Finanzzentrum – die gegenüberliegende Insel Kowloon, die multikultureller kaum sein könnte und deren Viertel Mong Kok auch heute noch Heimat der chinesischen Triaden ist, die New Territories und die vorgelagerten Inseln.
In HK-Central kann man Non-Stopp-Shoppen, sich durch die überfüllten Gassen quetschen oder mit dem Strom treiben lassen. Es gibt riesige Geschäfte aller Markenlabels, die man je gehört hat, und auch das neue i-iPhone 6 wird bereits entweder legal im riesigen Apple Store – der uns das ein oder andere mal als praktischer Orientierungspunkt diente – oder eben etwas weniger legal in der U-Bahn davor zu tausenden verkauft. Mitten in Central startet auch die Peak Tram, eine Standseilbahn die in wenigen Minuten steil an Wolkenkratzern vorbei zum 552m hohen Victoria Peak fährt. Die Aussicht von hier oben ist einfach spektakulär und zeigt einem aufs Neue, wie verdammt riesig diese Stadt ist. Würde man alleine jeden Starbucks in der Stadt beleuchten, wäre hier wahrscheinlich nie Nacht. Selbst als wir im Hinterland HK‘s mit einer Gondel zum größten sitzenden bronzenen Buddha Asiens – den Tian Tan Buddha – mitten im Nirgendwo in die Nähe vieler alter Fischerdörfer fuhren, strahlte uns direkt oben am Top ein grünes Emblem an … :-/

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In Kowloon trifft die „Haute Couture“ auf das „Gewöhnliche“. Die Geschäfte namhafter Designer (vor denen hier übrigens reihenweise angestanden wird …) liegen neben riesigen Einkaufszentren voll mit Ramsch. Teure Restaurants liegen neben „günstigen“ indischen oder chinesischen Garküchen – aber Vorsicht, außer mit der Metro fahren, ist hier gar nichts wirklich günstig!! … wir sagen nur Latte Macchiato für 4€ …! Die Menschen (außer den Bankern und Vorständen) verdienen weitaus weniger als wir und dabei ist hier mit Abstand alles mindestens so teuer wie bei uns. Also nichts für sparsame Backpacker ;-)

hk-city

Aufgrund der teuren Lebenshaltungskosten (mit die teuersten der Welt) wohnen viele Leute, trotz dass sie verheiratet sind noch mit 30 Jahren bei Ihren Eltern, bevor sie sich endlich eine eigene Wohnung leisten können – und über 100.000 Menschen wohnen in sogenannten Cage Beds. Ein Raum wird in mehrere Käfige eingeteilt in denen kaum mehr Platz wie für eine Matratze zur Verfügung steht, an die Seiten des Käfigs kann man dann sein Hab und Gut befestigen und aufhängen. Küche und Bad wird sich dann mit allen geteilt. Da wundert es auch nicht, dass unser Hostel-Doppelzimmer verdächtig an einen Schuhkarton erinnerte und gerade so breit war, dass man sich noch neben dem Bett an der Wand entlang quetschen konnte.

hostel

Und auch die sich allnächtlich vermehrenden Bissspuren der Bettwanzen dürften für viele Hong Konger nichts ungewöhnliches sein. Aber die HK’er lieben ihre Stadt und nehmen vieles in Kauf, um hier leben zu können. Und trotz allem hat Hong Kong mit durchschnittlich 80 Jahren eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt.

1 Land 2 Systeme“…

Einer der Hauptgründe warum es viele Chinesen trotz des nicht einfachen Lebens oder Überlebens nach HK zieht, liegt auf der Hand, HK ist nicht China. Erst 1997 wurde die damalige Kronkolonie Englands an China übergegeben. Den Einfluss spürt man noch immer. Banal fängt es damit an, dass man als Europäer für HK kein Visum braucht, um einzureisen und das es hier als einziges Gebiet in China eine andere Währung, den HK Dollar – der in der Umrechnung an den US Dollar gekoppelt ist – gibt.
Entscheidender Unterschied ist jedoch, dass die HK’er (trotz aller Einchränkungen) erheblich mehr Grundrechte (z.B die Presse, Meinungs – und Versammlungsfreiheit) besitzen als die „Festland-Chinesen.
Zeitungsartikel zu diesem Thema gibt es ja gerade sehr viele – z.B. diesen hier.

So fesselnd die schier riesigen Hochhäuser, die Shoppingmalls und urbanen Geschäftchen, die tausenden Essenslokale und Cafés , die vielen Fußgängerbrücken zwischen den Hochhäusern, die reibungslos funktionierenden Metrostationen und Seilbahnen direkt an den Skyscrapern vorbei, die Parks, Sehenswürdigkeiten und Tempel auch sind, sie sind voll mit Menschen. In dieser Stadt ist einfach kein Fleckchen Ebene unbenutzt, entweder ein Haus oder ein Mensch steht darauf. Da HK nicht viel bebaubare Fläche hat, wird zum einen in die Höhe gebaut und zum anderen Sand vom Meeresboden aufgeschüttet, um mehr Bauland zu schaffen. Eine Stadt, die einem den Atem raubt und einen manchmal auch kaum atmen lässt.

Jedoch kann man der Großstadt auch entfliehen. Man kann kaum glauben, dass das Umland des pulsierenden HK zu 70% aus grünen Hügeln, Bergen und Tropenwald besteht. HK besteht insgesamt aus 234 Inseln, von denen gerade mal eine Hand voll mit der Fähre zu erreichen sind. So gibt es immer noch traditionelle Dörfer, Wanderwege in den Bergen, Badeorte und Kletterfelsen.

Apropos Klettern ;-) :

Nachdem wir nach schlappen 1,5 h Umherirren den von uns ausgesuchten Fels (mit der wohl schlechtesten Zustiegsbeschreibung der Welt) dann doch noch gefunden hatten, durften wir schnell feststellen, dass man nicht in der Verdon sein muss, um knackig bewertete Routen in praller Sonne zu klettern … ;-) Das klettern an diesem Granitfelsen war gewöhnungsbedürftig aber schön und die Aussicht zurück auf die Stadt war definitiv außergewöhnlich.

felsen

Da wir uns an diesem Tag aber nach Aussage eines Locals (kaum zu glauben) am einfachsten zu findenden Kletterspot in Hong Kong mit zeitgleich dem meisten Schatten (häh – wo denn???) befanden, beließen wir es bei diesem einen Ausflug und bereiteten uns stattdessen anderentags mit einer kleinen Trainigseinheit im „Fitness Corner for the Elderly“ des Kowloon Parks auf unsere Zeit in Yangshuo vor. ;-)

fitness

Ungewöhnliche Stille …

… fanden wir mitten im Verwaltungsbezirk der Stadt. Genauer gesagt auf den, von den Aktivisten der „Umbrella Revolution“ abgesperrten mehrspurigen Hauptverkehrsstraßen. Die Hauptorte der Proteste sind die Viertel Mong Kok in Kowloon und Admiralty in Hong Kong Central. In Admiralty sind viele der großen Straßen durch Barrikaden für den Verkehr unbrauchbar gemacht worden und trotz dass sich tagsüber nur sehr wenige Protestaktivisten in diesem Bereich aufhielten, waren weit und breit keine Polizeieinheiten zu sehen. Und so schlenderten hunderte von Hong Konger Bürgern und Touristen über die abgesperrten Straßen, lasen die meist vielsprachigen Transparente, kamen untereinander ins Gespräch oder ließen einfach nur die Stimmung des Moments auf sich wirken.

Die Hauptverkehrsadern in Berlin nach tagelangen Protesten immer noch von Barrikaden blockiert, umherschlendernde Menschen und weit und breit weder Räumpanzer noch Polizeihundertschaften – dieses Bild ist irgendwie schwer vorstellbar.

In Mong Kok bot sich uns dann ein anderes Bild – ebenfalls friedlich, aber eher unseren gewohnten Bildern von Demonstrationen ähnelnd. Zudem wurde dort deutlich, was uns einige Locals, die wir beim klettern kennengelernt hatten, schon zu beschreiben versucht hatten: Die Ziele der Protestbewegung werden zwar von vielen Menschen unterstützt, werden aber (wie ja meistens) nicht von jedem mitgetragen. So wurde z.B. in unserer Gegenwart gerade ein Mann von der Polizei aus der Menge der Demonstranten entfernt, der laut schreiend seine Solidarität mit der chinesischen Zentralregierung und seinem Stolz darüber, Chinese zu sein kundtat. Und sind es nicht grundlegende politische Differenzen, dann doch häufig schlichte wirtschaftliche Interessen z.B. der Geschäftsleute in den abgesperrten Arealen, die (wie in Europa ja auch) zu Anfeindungen führen.
HK hat allerdings den Vorteil, dass dieser Protest vom Rest der Welt beobachtet wird. Die zwei schon erwähnten Locals erzählten uns, dass es in China wohl tausende Streiks und Proteste pro Jahr wegen diversen Missständen gibt. Jedoch wird dort einfach die TV Übertragung zensiert (Soziale Netzwerke sind ja eh in China nicht ohne weiteres zugängig) und die Streiks und Proteste werden gewaltsam plattgemacht, ohne dass je jemand außerhalb (oder auch innerhalb) Chinas davon erfährt.

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Me, myself and the „Selfie-Stab“:

So … es ist mal wieder höchste Zeit ein paar Klischees zu bedienen! ;-) Allerdings ist das folgende im Straßenbild viel zu dominant, um einfach nur Klischee, als vielmehr (offensichtliche) Kultur der Gegenwart zu sein. Ok, zugegeben: Jeder von uns erwischt sich selbst hin und wieder beim sinnlosen rumwischen auf seinem Smartphone. Gemessen an den „Möglichkeiten“ ist das allerdings noch rein gaaaaarnichts …
Jeder Hong Kong-Chinese scheint mindestens (!!) ein Smartphone zu besitzen, welches – auf gar keinen Fall (!!) – zeitweise in die Tasche gesteckt wird. Das Smartphone wird – oft vorsorglich an einen zusätzlichen externen Akku angeschlossen – mindestens in der Hand gehalten, manchmal als Monitor benutzt um zu erkennen wohin man eigentlich gerade geht & um dabei zeitgleich jederzeit irgendetwas fotografieren zu können, oder es wird ge“what´sapp“t, ein Spiel gezockt – oder die soeben geschossen Selfies werden nochmal auf ihre Facebook-Tauglichkeit überprüft. Denn dank eines „genialen“ Erfinders müssen die Dinger jetzt nicht mehr in der Hand gehalten werden, sondern werden mit steigender Beliebtheit direkt auf einem „Selfie-Teleskopstab“ montiert, durch die Gegend getragen.
Was manchmal einfach nur skurril erscheint, ist – zumindest auf der Straße – oft ziemlich nervig, weil man sich so selbst dann nicht flüssig durch Hong Kong bewegen könnte, wenn nicht hunderttausende sondern nur ein paar Dutzend Menschen auf der Straße wären … schließlich muss man ja noch schnell vorm überqueren der Ampel ein Selfie vor dem Ampellicht machen! Nicht auszudenken, wenn man diese Gelegenheit verpasst hätte … ;-)

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Tja – unser Resümee? …

… heute sind wir endlich in Yangshuo angekommen! ;-)

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P.S: Da wir uns ab jetzt auf dem chinesischen Festland befinden, sind auch wir vorerst von Facebook, Google – und mal schauen was noch – abgeschnitten! …



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